Kulinarische Auszeit gepaart mit Kunst

Einführung zur Ausstellung von Mike Schaale

„Schrott wirkt“

vom 09.11. bis 10.11.2019

im Restaurant „Bonnette“ in Bonn

 

 

Der Titel der Ausstellung „Schrott wirkt“ könnte auch inhaltlich besser beschrieben werden mit:
„Materialästhethik aus der Hand eines kreativen Menschen“

Beschäftigt man sich mit dem fantasiereichen Schaffen von Mike Schaale in den letzten 30 Jahren, so ist es wichtig den Künstler, den Handwerker, den Menschen etwas näher kennen zu lernen. Gerade sein Leben, seine persönliche Geschichte, seine Entwick- lung lässt uns verstehen, dass er immer an die Wertigkeit des Materials und dessen Wiederverwendung glaubte. Er war solange ich Ihn kenne immer ein kreativer Sammler, ein wachsamer Hingucker und ein denkender Ästhet. So ist auch sein breites Form- und Materialspektrum nur logisch und nachvollziehbar.

Doch zurück zu den Wurzeln, zu den kunsthistorischen Ursprüngen. Einordnen würde ich sein Oeuvre in den klassischen Geist des „Movement of Arts and Crafts“ das Mitte des 19. Jahrhundert bis ca. 1920, im Zeitalter der maschinellen Produktion, eine Rückbesinnung auf das Handwerk anstrebte.

Die philosophische Grundlage, die von John Ruskin einem der Begründer der Bewegung definiert wurden, war die Verbindung zwischen Kunst, Gesellschaft und Arbeit. Dabei war die Freude an der handwerklichen Arbeit und der natürlichen Schönheit des Materials ein zentraler Dreh- und Angelpunkt des Schaffens.

Ein bekannter Namen wie Aubrey Beardsley als Gestalter der damaligen Titelseite der Zeitschrift : „The Studio: An Illustrated Magazine of Fine and Applied Art“ ist einer breiten Öffentlichkeit durchaus bekannt. Aber auch Charles Rennie Mackintosh mit seinem hochlehnigen Stuhl - „Hill House 1“ ist heute noch ein weltweit bekannter Vertreter dieser Stilrichtung.

Gerade mit diesem Werk möchte ich anknüpfen an Mike Schaale. Sein „Korsettstuhl“ aus Stahl nimmt diesen Gedanken auf und verarbeitet ihn auf seine Art und Weise mit einem klaren Bekenntnis zur Identität des Materials. Seine handwerkliche Fertigkeit, seine künstlerische Kraft, dem seelenlosen Material - entstanden aus der industriellen Fertigung, seine Eigenart, seinen Charakter zurück zu geben, ist allenthalben spürbar.

Ob in den filigran gesetzten Schweißnähten der Stahlverbindung, ob in der mutigen, ausbalancierten Statik der Standfestigkeit der Objekte oder in dem gewagten Materialmix - überall ist die kraftvolle Handschrift des Künstler spürbar.

Die Einfachheit und der ernsthafte Umgang mit der Materialität zeugen von der Rückbesinnung auf die dem Handwerk innewoh- nende Schönheit.

So zeugt die „Feuersäule“ von proportionierter Ausgewogenheit.

So verkörpern die „lichte Kugeln“ den inneren Kraftschluß.

So reduziert sich die „Opferschalen“ auf die reine Form ohne Dekor So lässt die Serie „Bock auf Bahntrasse“ jede Menge interpretativen

Spielraum für die ironische Fantasien.

So sind die Motivvariationen „Walderhalt“ ein spielerischer Umgang.

mit dem abstrahierten Baummotiv

Dass er die Ausstellung „Schrott wirkt“ betitelt zeugt davon, dass er in keiner Weise einer philosophischen Überinterpretation Raum geben will. Nein hier erleben wir Kunsthandwerk in seiner ursprünglichen Ausformung. Insofern möchte ich im weitesten Sinne, den schöpferisch tätigen Menschen Mike Schaale durchaus als zeitgenössischen Vertreter des „Movement of Arts and Crafts“ ansehen.

Dipl. Ing. J. Sommer
Architekt

Büro Sommer

 

Bonn, den 08.11.2019